Ich und meine Freunde haben uns heute noch die wunderschöne Stadt Mostar angeschaut. Seit 17 Uhr befinden wir auf dem Rückweg nach Deutschland. Gerade sind wir an der kroatischen Küstenstadt Split vorbei gekommen. Der nächste Meilenstein ist Zagreb, welchen wir in etwa 3 Stunden erreichen.
Nanu? Hatten wir dieses Bild und so eine ähnliche Überschrift nicht erst gestern? Fällt den BOW-Leuten etwa nichts Neues mehr ein?
Doch! Aber heute morgen haben sich zwei fleißige kleine Päckchen-Packer in Köln so sehr über dieses Foto gefreut, dass wir es jetzt noch einmal zeigen. Darauf abgebildet sind die vierjährige Dora und ihr siebenjähriger Bruder Noa, die gestern auf der Weihnachtsfeier der Organisation “Moj Dom” ihre Weihnachtsgeschenke von Vučko bekommen haben. Die genau gleichaltrigen Geschwister Amalia und Emil in der Domstadt haben auf dem Foto zufällig ihr Geschenkpapier wieder erkannt und freuen sich jetzt riesig, dass sie wissen, wie “ihre” Kinder in Bosnien aussehen. Amalia und Emil sind gute Freunde der kleinen Emma aus Hallenberg, die ja wiederum das Päckchen für Viktor gepackt hat. Und weil den beiden die Idee des BOW-Weihnachtstransportes so gut gefiel, haben sie spontan mitgemacht und ihre Pakete mit der Post vom Rhein nach Hallenberg geschickt. Bei der kleinen Matea, dem „Baby von Egipat“ hat sich zudem herausgestellt, dass deren Päckchen von Emmas Nachbarin gepackt wurde. Jetzt wissen alle ganz genau, dass ihre Päckchen auch wirklich gut angekommen sind!
Wenn im Januar dann die Fotos des gesamten Weihnachtstransportes in der Grundschule und im Nikoläum Hallenberg gezeigt werden, dürfen sich hoffentlich noch viele weitere Spender darüber freuen, dass sie „ihre“ Kinder mit ihren Päckchen auf den Bildern erkennen.
Building ONE World bedeutet ja übersetzt „eine Welt bauen“. Und wie man an diesen Fotos sieht, ist die Welt klein genug, um wirklich erfolgreich an ihr zu bauen und gemeinsam ein Stück näher zu rücken.
In dem Osmanen-Städtchen Mostar begebe ich mich auf die Spuren der bosnischen Geschichte. Ihr Erbe scheint den Bosniern wichtig zu sein, denn die Altstadt ist nach der Zerstörung im Krieg schon fast komplett wieder aufgebaut. Gestern Abend habe ich noch ein schönes Foto von der alten Brücke, dem Wahrzeichen der Stadt gemacht.
Der Anhänger ist leer, die letzten Päckchen haben meine Freunde und ich heute bei der Organisation “Moj Dom” – “Mein Haus” in Sarajevo ausgeladen. Für die Bescherung hatten sich die Mitarbeiter etwas ganz Besonderes ausgedacht: Kristina verkleidete sich als Weihnachtsmann und überreichte jedem Kind sein Geschenk, während Ivana mit den Kleinen essbaren Weihnachtsbaumschmuck bastelte. Für mich war das natürlich auch eine besondere Ehre, in Sarajevo den Weihnachtsmann persönlich zu treffen.
Die Organisation “Moj Dom” habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal besucht. Sie ist erst zwei Jahre alt und von einem Franziskaner gegründet worden. Sie kümmert sich hauptsächlich um Senioren und Menschen mit Behinderungen. Einmal im Jahr organisieren die zwei Hauptamtlichen mit Hilfe von Ehrenamtlichen eine kleine Weihnachtsfeier für Kinder. Toll, dass wir in diesem Jahr die Geschenke dazu beisteuern durften.
Damit ist meine Mission in Bosnien erfüllt. 450 Kindern habe ich ihr Geschenk aus Deutschland pünktlich vor dem Weihnachtsfest übergeben. Weil ich so gut im Zeitplan bin, will ich jetzt noch den Süden Bosniens erkunden und morgen einen Ausflug in die kleine Stadt Mostar machen.
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Acht Jahre alt war Skender (Foto oben), als 1992 der Bosnien-Krieg ausbrach. Über drei Jahre lang musste er mit seiner Familie in der von den Serben belagerten Hauptstadt Sarajevo ausharren und ums Überleben kämpfen. Skender war unser Guide bei einer kleinen Tour, die uns an die wichtigsten Schauplätze des Kriegs geführt hat. Die Schauplätze eines Kriegs, der in den Köpfen aller Bosnier noch tief verankert ist, dessen Zerstörung in den Städten und Dörfern des Landes überall sichtbar ist und der bis heute Politik und Gesellschaft lähmt.
Mittlerweile leben Serben (orthodox), Kroaten (katholisch) und Bosniaken (muslimisch) in Bosnien Seite an Seite. Konflikte gibt es kaum noch, in vielen Regionen lebt man einfach nebeneinander her, an manchen Orten gibt es ein gutes Miteinander, so haben uns junge Leute berichtet. Im Krieg war das anders: Niemand konnte seinem Nachbarn vertrauen, so berichtete Skender. Die Serben, die ihr Territorium vergrößern wollten, planten, die anderen Völker auszulöschen. Unter den Serben, die in Sarajevo lebten, wurden Waffen verteilt. Die Zivilbevölkerung sollte zusammen mit der Armee, die sich auf den Bergen rund um den Talkessel postiert hatte, die Hauptstadt für sich einnehmen.
Aber – so berichtet Skender – die Stadtbewohner verteidigten sich, teilweise kämpften sogar die Serben aus Sarajevo gegen die serbische Armee, die mit Scharfschützen und Granatwerfern in den Bergen lauerte. Das Überleben sicherte letztlich ein 800 Meter langer Tunnel, den Bergarbeiter unter der Landebahn des Flughafens durch gruben. Das Museum am Eingang des Tunnels (Foto) haben wir uns angeschaut und gesehen, wie hart es für die Männer gewesen sein muss, bis zu hundert Kilo schwere Rucksäcke mit Lebensmitteln oder Waffen durch den schmalen, niedrigen Schlund zu schmuggeln.
Eine Tour auf die Berge (Foto links) hat uns gezeigt, wie einfach es für die serbische Armee gewesen sein muss, Sarajevo unter Beschuss zu halten. Nur der Nebel und der Smog, der sich an vielen Tagen des Jahres über die Stadt legt, machte es den Bewohnern möglich, sich auf der Straße zu bewegen. Dennoch verlor die Hauptstadt ihre einstmalige Schönheit komplett. Häuser wurden geplündert, zerstört, ganze Stadtviertel unbewohnbar gemacht. Von der einstmaligen Schönheit zeugen noch die Ruinen von ehemaligen Hotels (Foto unten rechts) oder auch von der Bobbahn (Foto unten links), die anlässlich der olympischen Spiele 1984 errichtet wurde und seit dem Krieg unbenutzbar ist. ![]()
Bis heute stehen in Sarajevo ausgebombte Häuser mit renovierten Gebäuden Seite an Seite. Der Wiederaufbau schreitet langsam voran. Wie die Stadt damals ausgesehen hat und ob sie jemals wieder ihre alte Schönheit wiedererlangen wird, davon können wir und die Einwohner nur träumen.
Als ich heute endlich meinen kleinen Freund Viktor im Kinderheim Bjelave besucht habe, war er mit all den anderen Kindern aus seiner Gruppe draußen auf dem Spielplatz. Am Anfang hatte das schüchterne Kerlchen ein bisschen Angst vor mir, aber dann ist er schnell aufgetaut. Und spätestens als es ans Auspacken seines Geschenks ging, strahlte er über beide Ohren. Mit dem Duschgel wollte er sofort ein Bad nehmen, und im Bilderbuch hat ihm besonders der Bär gefallen.
Wie ich gestern schon erzählt habe, hat Viktor eine Fehlstellung seiner Hände. Er kann damit umgehen und greift ohne Probleme nach Gegenständen. Aber Schreiben wird er später nicht können. Möglicherweise könnte eine komplizierte Operation alles richten. Die müsste allerdings erstens in Deutschland stattfinden und kann zweitens vom Kinderheim nicht finanziert werden. Wir werden sehen, ob wir Kontakte herstellen können…
Im Heim Egipat, das von katholischen Schwestern geführt wird, haben mir die Kinder zuerst einige Weihnachtslieder vorgesungen, um sich ihre Geschenke zu verdienen. Bei nur 18 Kindern geht es hier sehr familiär zu. Für besonders große Freude hat ein kleiner Stoff-Hund gesorgt, den ein Mädchen in ihrem Päckchen hatte. Sie hat ihn aber großmütig an den kleinen Ivica weitergeschenkt, der das Kuscheltier so in sein Herz geschlossen hatte, dass er es gar nicht mehr loslassen wollte. Und auch sein Kopftuch im orange-schwarzen Look wollte er gar nicht mehr absetzen.
Seit meinem letzten Besuch hat es im Heim Zuwachs gegeben. Die kleine Matea (Foto oben), die morgen 14 Monate alt wird, gehört jetzt mit zu der Rasselbande. Ihre Geschichte ist traurig: Als ihr Vater sie im Alter von drei Monaten im Heim abgab, war sie total abgemagert und wog nur fünf Kilo. Angeblich hatte er kein Geld, um sich um seine Tochter zu kümmern. Er scheint aber generell kein großes Interesse an seinem Baby zu haben: Bislang hat er Matea nie besucht. Nur einmal war ihre Tante da, um nach ihr zu sehen.
Inzwischen haben die Schwestern das Nesthäkchen aufgepäppelt. Sie isst gut und schläft hervorragend und hat vor zwei Wochen ihre ersten Schritte gemacht. Die Schwestern berichten, dass sich die anderen Kinder rührend um Matea sorgen. Beim Einkaufen denken sie immer an das Baby und bringen ihm kleine Geschenke mit. Über Bilderbuch und Stofftier in ihrem Päckchen aus Deutschland hat sich Matea riesig gefreut.
Puuh… 88 Päckchen ausladen geht ganz schön auf die Knochen. Aber natürlich sollte keines der Kinder im Heim Bjelave leer ausgehen. Nicht jedem konnte ich sein Paket persönlich überreichen, weil manche Kinder noch in der Schule oder im Kindergarten und die Babys am Schlafen waren. Weil die Schule hier im Stadtteil sehr klein ist, gehen die Kinder übrigens in zwei Schichten zum Unterricht, manche vormittags, manche nachmittags.
Bei 88 Kindern im Heim herrscht dort ein ganz schönes Rein und Raus. Ich möchte nicht mit den Erzieherinnen tauschen, die immer den Überblick behalten müssen. “Wir arbeiten viel, aber wir feiern auch viel”, hat mir unsere Kontaktperson Kira erzählt. Denn in der Einrichtung sind katholische, orthodoxe und muslimische Kinder und die Feste aller drei Religionen werden gefeiert. So gibt es auch zwei Mal Weihnachten: Am 24. Dezember das der Katholiken und am 6. Januar das der Orthodoxen.
Mein bester Freund Viktor war leider zur Mittagsstunde fest am Schlafen. Ich habe trotzdem einen Blick in sein Bettchen geworfen und sein Geschenk schonmal dort abgestellt (Foto oben). Der Kleine (zwei Jahre alt) ist ganz schön gewachsen. Die Erzieherin hat mir versichert, dass es ihm bestens geht, er schon super sprechen kann und mit seiner Behinderung an der Hand gut umgehen kann. Ich werde ihm morgen nochmal einen Besuch abstatten, wenn er wach ist. Solange muss er sich denn auch noch mit dem Auspacken seines Geschenks gedulden.