Egal, ob katholisch, evangelisch, muslimisch oder ein Wolf – Hallenberger Jungs rasseln an den Kartagen.
Auch Mortaza aus Afghanistan und Vučko waren mittendrin!
Ein Auslandssemester führte unser Mitglied Julian Mönxelhaus für sieben Monate nach Nicaragua. Er studiert soziale Arbeit und arbeitete in einem Projekt für Familien in einem Armenviertel. Er berichtet, wie Armut zur Tagesordnung gehört und den Jugendlichen jegliche Zukunftschancen verbaut:
Wo man hinschaut: Obdachlose, Kinderarbeiter, Bettler. Das Bild der Hauptstadt Managua geht unter die Haut und spiegelt besonders deutlich wider, wie es dem Land Nicaragua geht. Obwohl es in Zentralamerika als ein sicheres Land gilt, lässt die Lage in seiner Metropole zu wünschen übrig. Das Stadtbild ist chaotisch und unorganisiert. Das Stadtgebiet ist mehrfach von Erdbeben zerstört worden. Im Jahr 1979 fielen einem solchen Erdbeben 90% der Bausubstanz im Ballungsgebiet Managua zum Opfer. Viele Viertel wurden ohne Plan wieder aufgebaut und bilden das chaotische Stadtbild der zweitgrößten Stadt Zentralamerikas.
Eine ganz besondere Schulstunde erlebten kürzlich die Schüler der Grundschule Hallenberg. Vučko war extra mit zwei seiner Freunde gekommen, um über den Transport der Weihnachtsgeschenke zu berichten.
Die Schüler und auch einige interessierte Eltern verfolgten den Vortrag sehr aufmerksam und diszipliniert und stellten anschließend viele Fragen. So konnte geklärt werden, wie viele Geschenke zusammengekommen waren – nämlich 450 Stück –, dass der Weg von Hallenberg bis Sarajevo 1.500 km lang ist, dass die Spenden alle zusammen insgesamt einen kompletten Bulli und einen großen Hänger gefüllt hatten und auf welchem Weg Vučko die vielen Pakete nach Sarajevo gebracht hatte. Es wurde auch darüber gesprochen und anhand von Fotos gezeigt, dass in Bosnien durch den Jugoslawienkrieg von 1992 – 1995 immer noch viele Häuser beschädigt sind und die Bewohner deshalb Hilfe brauchen. Nachdem die Kinder Vučko noch lautstark versprochen hatten, auch bei der nächsten Weihnachtsaktion wieder tatkräftig mitzuhelfen, war die eingeplante Schulstunde auch schon viel zu schnell um.
Einen schönen Brauch pflegen die Sänger vom MGV „Cäcilia“ Gevelinghausen seit fast 20 Jahren: Auf Neujahr ziehen sie im ganzen Ort von Haus zu Haus, singen jeder Familie das neue Jahr an und sammeln dabei Spenden, die sie einem guten Zweck zur Verfügung stellen. In diesem Jahr sind sie durch die Westfalenpost auf unsere BOW-Projekte aufmerksam geworden
Andreas Gierhard und Martin Klostermann vom Vorstand des MGV informierten sich bei unserem Fotovortrag über den letzten Transport und unsere weiteren sozialen Projekte und übergaben einen Scheck über 400 Euro für unsere Arbeit. Wir bedanken uns ganz herzlich für diese großzügige Spende.
Im Januar 2014 haben wir die Unterstützung der Hallenberger Asylbewerber als neues Projekt aufgenommen, um ihnen die Integration sowie viele bürokratische und zwischenmenschliche Hürden zu erleichtern. Ab jetzt stellen wir unsere neuen Freunde in loser Reihenfolge hier vor und werden demnächst auch berichten, was es derzeit für Möglichkeiten und Einrichtungen zur Unterstützung gibt und welche Projekte wir mit ihnen zusammen planen.
Building ONE World bedeutet ja übersetzt “eine Welt bauen”. Manchmal kann man gleich um die Ecke damit anfangen……ein einfaches “Hallo” mit einem freundlichen Lächeln genügt schon!
Sidiki ist gerade erst 18 Jahre alt geworden und ein groß gewachsener, bildhübscher Kerl. Er stammt aus Guinea in Westafrika (südlich von Mali) und wohnt seit fast einem Jahr in Hallenberg. Ihm wurde zum lebensgefährlichen Verhängnis, dass er sich in der Schule kurz vor seinem dem Abitur vergleichbaren Abschluss in eine Mitschülerin verliebte. Deren Vater war jedoch ein hochrangiger Militär-Funktionär und hatte bereits einen anderen Ehemann für eine Zwangsheirat mit seiner Tochter vorgesehen. In Guinea hat ein als äußerst skrupellos bekanntes Militär-Regime die Macht inne; für den Vater war es somit ein Leichtes, den unerwünschten Freund seiner Tochter aus dem Weg zu schaffen.
Auch Sidikis Eltern sind vom Militär umgebracht worden, von seiner Familie lebt nur noch sein jüngerer Bruder.
Freunde schafften es, Sidiki rechtzeitig zu warnen, so dass er sein Elternhaus durch einen Hintereingang verlassen konnte, als die Militär-Kräfte schon an der Haustür waren.
Die Heimat des 33-jährigen Abdulmonin ist eigentlich Eritrea, aber dorthin kann er nie mehr zurück. Nur jeder fünfte Einwohner dort hat überhaupt jemals eine weiterführende Schule besucht, Abdulmonin hat jedoch sogar das Abitur gemacht und dann im benachbarten Sudan ein Elektrotechnik-Studium abgeschlossen.
Eritrea behau
ptet von sich, ein demokratisches Land zu sein, die Regierung ist jedoch bekannt für gravierende Menschenrechtsverletzungen. Regimekritiker, Militär-Deserteure oder Menschen, die aufgrund der lebenslang bestehenden Wehrpflicht in einem anderen Land Asyl suchen, werden gnadenlos verfolgt und mit Folter und Tod bestraft. Alle diese Punkte treffen auf Abdulmonin zu, er konnte die Umstände in seinem Heimatland nicht mehr ertragen, hat sich deshalb kritisch geäußert und sich außerdem der in Eritrea lebenslang geltenden Wehrpflicht entzogen, da die Beziehungen zu Äthiopien sehr angespannt sind und ein neuer Krieg droht.
Der 36-jährige Babrak aus der Nähe von Kabul in Afghanistan musste vor drei Jahren seine vier kleinen Kinder im Alter zwischen 3 – 6 Jahren sowie seine Frau Hals über Kopf verlassen, um seinem sicheren Tod zu entgehen.
Was er verbrochen hat?
Sein Onkel war Inhaber einer Spedition, die Liefer- Verträge mit amerikanischen Militär-Stationen hatte. Babrak arbeitete als LKW-Fahrer bei seinem Onkel und fuhr die LKWs zu den Basis-Stationen. Das zählt bei den Taliban schon als Kollaboration mit dem Feind und wird mit dem Tod bestraft. Sein Onkel hat es noch geschafft, Babrak über einen Agenten für 15.000 US-Dollar aus Afghanistan heraus zu schleusen. Dann wurde er selber erschossen. Babrak gelang es, sich über vier Monate hinweg erst in den Iran und dann in die Türkei durchzuschlagen. Bei einer Überfahrt mit einem Gummiboot nach Griechenland ist er von Polizisten so brutal zusammengeschlagen worden, dass er mehrere Zähne und zudem noch sämtliche Papiere und Familienfotos verlor.
Seine beschwerliche Flucht ging weiter über Italien und Frankreich nach Belgien, wo er zum ersten Mal überhaupt in Europa per Handabdruck registriert wurde – Papiere hatte er ja nicht mehr. Belgien wollte ihn wieder nach Afghanistan abschieben, wo ihm der sichere Tod droht, deshalb floh Babrak in die Schweiz. Aber auch da sollte er ausgeliefert werden. Über viele Umwege und nach fast drei Jahren Flucht ist er im Mai 2013 in Hallenberg angekommen.
Babrak wohnt nun in einem Container zusammen mit drei weiteren Asylbewerbern aus Guinea, Eritrea und Pakistan, die ihn liebevoll „Mama“ nennen, weil er für sie kocht, alles in Ordnung hält und auch dolmetscht. Er hat sich schon recht gute deutsche Sprachkenntnisse angeeignet hat und spricht mittlerweile acht Sprachen. Seine Geschichte hat er auch größtenteils auf deutsch erzählt.
Wer den freundlichen und aufgeschlossenen Babrak trifft, kann sich kaum vorstellen, was dieser liebenswerte Mensch bereits alles erleben musste und welche Sorgen er immer noch hat. Er vermisst seine Frau Palwsha (28) und seine vier Kinder sehr. Seine zweite Tochter Osna konnte früher immer nur auf seinem Arm einschlafen und hat jeden Abend auf ihn gewartet, bis er von der Arbeit nach Hause kam. Wer begleitet sie jetzt in den Schlaf? Babrak hat noch nicht einmal ein neueres Foto von seiner Familie, weil seine Schwiegermutter versucht, jeglichen Kontakt zu unterbinden. Sie wimmelt seine Anrufe ab und hat seiner Frau stattdessen erzählt, dass Babrak nun in Deutschland viel Geld und ein großes Haus habe und nichts mehr mit seiner Familie zu tun haben wolle.
Diese Unterstellungen wird Babrak seiner Frau nie mehr erklären können: Sie ist am 8. März 2014 an Krebs gestorben. Und ob er jemals seine Kinder wiedersehen kann, ist mehr als ungewiss.
Aber so langsam geht es nun endlich wieder bergauf. Babrak hat ein endgültiges Bleiberecht sowie eine Arbeitserlaubnis bekommen, nette Leute kennen gelernt und sogar eine Arbeitsstelle gefunden, auf die er sich nach dem langen, erzwungenen Nichtstun sehr freut. Die Sonne scheint somit endlich auch wieder für Babrak.