An Tag 2 der Reise ging es für das Team aus dem Sauerland in das kirchlich geführte Kinderheim Egipat, zu deutsch „Ägypten“. Der Weg zum Heim in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo ist geprägt von schmalen Gassen und steilen Straßen, durch die das Fahrzeug mit großer Vorsicht gesteuert werden muss. Unbeschadet angekommen, begrüßten uns schon die Schwestern und Kinder der Einrichtung ungeduldig. Groß ist die Freude jedes Mal über den Besuch aus Deutschland und natürlich auch über die liebevoll gepackten Päckchen, die schicksalhafterweise immer mindestens ein Teil enthalten, in das sich die Kinder sofort verlieben und den gesamten Abend bei sich tragen. Das Auspacken wir hier stets begleitet von Spielen, Geschichten und Turneinheiten – ein Erlebnis für das ganze Team!

Die Schwestern sehen sich mit wachsenden Anforderungen des Staates konfrontiert. Auflagen fordern, dass in  Kinderheimen zusätzliches Personal eingestellt werden muss, um allen Anforderungen der Bewohner gerecht zu werden. Einen zusätzlichen Psychologen beispielsweise kann sich die kirchliche Einrichtung jedoch nicht leisten. Aus diesem Grund sinkt die Zahl der Kinder leider stetig. Im Vergleich zur Zeit um 2010 verringerte sich die Zahl der betreuten Kinder daher von 30 auf heute nur noch 9. Es werden also kaum neue Kinder aufgenommen. Der Fokus liegt daher momentan auf Kindern mit besonderen Bedürfnissen, die eine spezielle Schule in Sarajevo besuchen und daher vornehmlich unter der Woche bei den Schwestern unterkommen. Aus diesem Grund beherrschen die Schwestern daher nun auch die Grundlagen der Gebärdensprache.

Ein Mädchen mit diesem Schicksal ist Gabriela. Sie ist aufgrund eines Fiebers seit ihrem 1. Lebensjahr gehörlos. Ihr steht nun bald das Einsetzen eines Cochlea-Implantats bevor, dass ihr ein teilweises Hörvermögen ermöglichen soll. Derartige Operationen sind in Bosnien kein Standard und bieten eine hohes Risiko auf negative Komplikationen, die im schlimmsten Fall zu einer Hirnhautentzündung und sogar Lähmungen führen können. Daher werden diese vornehmlich in der Türkei oder Deutschland durchgeführt. Die teure Operation soll im Laufe des kommenden Jahres durch Spenden finanziert werden.

Um weiterhin jene unterstützen zu können, die es dringend benötigen, überlegen sich die Schwestern nun neue Konzepte. Eine Idee ist beispielsweise der Aufbau eines studentischen Mädchenwohnheims, um jungen bedürftigen Frauen ein Studium in der Hauptstadt zu ermöglichen. Ganz egal wie es weiter geht – die herzlichen Schwestern werden noch einigen Kindern und jungen Erwachsenen eine Chance für einen fairen Neustart im Leben schenken.

 

CategoryBosnien, HandS, HandS 2023

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