11.30 Uhr – Sarajevo
Direkt im Anschluss geht es in das nebenan liegende katholische Heim Egipat („Ägypten“). Zehn Ordensschwestern leben und betreuen dort (nur noch) 6 Kinder aus einem schweren Umfeld (stationäre Jugendhilfe) oder mit besonderen Bedürfnissen. Außerdem betreuen Sie ca. 20 Kleinkinder in dem im Haus befindlichen Kindergarten.
Die Zahl der Kinder in Bjelave sinkt leider stetig aufgrund verschiedener politischer Herausforderungen und Regularien. Die Schwestern planen jedoch für das kommende Jahr eine erneute Erweiterung, beispielsweise auf Kinder mit neurologischen Problemen. So soll das sehr große Gebäude wieder zunehmend mit Leben gefüllt werden. Wir hoffen hier im kommenden Jahr wieder deutlich mehr Pakete vorbeibringen zu können. Da die Kindergartenkinder aktuell noch nicht von uns beschenkt werden, möchten wir sie gerne auch im kommenden Jahr berücksichtigen.

Die Ankunft war sehr spannend, da keine Ordensschwester im Haus war, die englisch oder deutsch sprechen konnte. Wir versuchten uns mit Händen und Füßen zu verständigen, bis die Provinzoberin Schwester Anna-Marija aus der Stadt kam. Diese kann glücklicherweise recht gut deutsch sprechen. Da einige Kinder noch in der Schule waren, verteilten wir an Matea, Gabrijela und Ana die Geschenke. Sie betrachteten alle Gegenstände aus dem Geschenk mit uns und freuten sich über jedes einzelne Teil. Wie so oft trafen unsere Spender auch hier genau den Nerv des Kindes. So bekam Ana, die für gute Massagen unter den Kindern bekannt ist, ein kleines Massagegerät für den Rücken geschenkt. Zusammen verbrachten wir noch einige Zeit mit Uno spielen, Malen, Fotos machen und Unterhaltungen über die Interessen der Kinder.

Eine Sache freut uns besonders: Der gehörlosen Gabrijela wurde im Mai durch die großzügige Finanzierung einer italienischen Familie ein Cochlae-Implantat (Hörgerät) eingesetzt, sodass sie nun zum ersten Mal in ihrem Leben Geräusche, Stimmen und Laute wahrnehmen kann. Sie lernt gerade die bosnische Sprache zu sprechen, die sie schon heute in Schrift und Gebärdensprache beherrscht. Wie die Ordensschwestern sagen, ist sie ein ganz anderes, fröhlicheres Mädchen geworden. Sie blüht richtig auf.
Der Umgang in dem Heim ist von viel Liebe und Fürsorge geprägt. Die Kinder dort haben ein gutes Benehmen, achten aufeinander und teilen ihre Geschenke. Wir kommen daher sehr gerne und freuen uns auch, wenn wir hier mit ansehen dürfen, wie persönliche Grußkarten aus Deutschland vorgelesen werden.

Es ist schön zu sehen, wie die Kinder aufwachsen und die ersten Schritte im eigenständigen Leben gehen. Das ist auch das, was uns am langjährigen HandS-Projekt so begeistert.

Nachdem wir einige Stunden dort verbracht und mit den Kindern gegessen haben, sind wir in die Innenstadt von Sarajevo gefahren und haben dort bis in den Abend die Freizeit verbracht und mehr über die bosnische Geschichte gelernt. Die abertausenden Einschusslöcher in den Hauswänden zeugen auch nach 30 Jahren noch von all den Gräueltaten, die hier stattgefunden haben.

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