Verteilaktion 1

Er fühlte sich gleich zu Hause und wurde freudestrahlend von den Kindern empfangen: BOW-Mitglied Julian Mönxelhaus hat das Kinderheim Cristo Rey in Cochabamba besucht, in dem er einst als Freiwilliger arbeitete und das er heute regelmäßig mit Kleiderspenden aus Deutschland unterstützt. Hier sein Bericht:

Die Vorfreude war kaum zu bändigen, als ich Anfang des Jahres mein Sozialpädagogik-Studium beendet hatte. Schon im Vorfeld hatte ich geplant, nach Beendigung meiner letzten Prüfungen nach Bolivien zu fliegen, um dort nach so langer Zeit das Kinderheim Cristo Rey in Cochabamba zu besuchen. Ich war gespannt auf die vielen bekannten Gesichter, aber auch auf die neuen Kinder und Jugendlichen.

Aus dem kalten, winterlichen Deutschland flog ich also Anfang Februar Richtung Südhalbkugel, auf der gerade der Sommer im vollem Gange war. Von Frankfurt ging es zunächst nach Panama – der Vorbote der Hitze. Meine dicke Winterjacke wurde jetzt endgültig in meinem Rucksack verstaut, bevor es weiter nach Bolivien ging. Ich landete in Santa Cruz de la Sierra, eine bolivianische Metropole im Amazonastiefland. Es war ein tolles Gefühl, endlich wieder bolivianischen Boden unter meinen Füßen zu haben. Nach einer Nacht in der Stadt wollte ich am nächsten Morgen weiter in die Andenstadt Cochabamba, die auf ca. 3000 Höhenmetern liegt. Doch es überraschte mich ein Tropenregen, der die Straßen unter Wasser setzte. Zum Glück hatte ich im Vorfeld schon einen Taxifahrer gefunden, den die sintflutartigen Regenfälle nicht weiter störten. Erneut am Flughafen angekommen, überraschte mich ein weiteres böses Erwachen: Meine Uhrzeit war noch auf panamesischer Zeit, sodass ich fast die kleine 50-Personenmaschine verpasste, die mich in die bolivianischen Berge bringen sollte. Aber ich schaffte es noch rechtzeitig in den Flieger, bevor die Tür zugemacht wurde und das Flugzeug abhob.

Patenkind Johann feiert Geburtstag

Cochabamba empfing mich mit angenehmen Temperaturen, einer kalten Brise und einem enormen Meer aus Hochhäusern. Die Stadt hatte sich über die letzten Jahre sehr verändert. Sie wächst nicht nur in die Breite, sondern auch in die Höhe. Endlich im Kinderheim angekommen – das noch mal 200 Meter über der Stadt an einem Berghang liegt – bekam ich das Gefühl nach Hause zu kommen. Geburtstag meines Patenkindes JohannDie ersten bekannten Gesichter kamen freudig auf mich zu und waren ziemlich überrascht mich zu sehen. Denn niemand außer der Heimleitung Petra Sadura wusste von meiner Ankunft. Der Tag hatte außerdem eine besondere Bedeutung für mich, denn es war der 11. Geburtstag meines Patenkindes Johann. Zunächst konnte er nicht glauben, dass ich zurückgekehrt bin. Den Rest des Tages verbrachten wir gemeinsam und feierten abends mit seiner Gruppe und der Erzieherin seinen Geburtstag bei leckerem Essen. Die nächsten Tage waren unbeschreiblich. Ich verbrachte viel Zeit mit den Kindern und Jugendlichen und lernte viele neue Bewohner des Heimes kennen.

Das Kinderheim hat sich sehr verändert. Die Anzahl der im Heim wohnenden Kinder und Jugendlichen ist zwar gesunken, aber es wird intensiver mit der eigentlichen Zielgruppe gearbeitet: den Gefängniskindern. In Bolivien wachsen viele Kinder und Jugendliche in den Gefängnissen auf, wenn ihre Eltern dort einsitzen. Oft gibt es gar keine andere Möglichkeit, da die Mittel begrenzt sind, um ihnen ein Leben außerhalb der Gefängnismauern zu ermöglichen. Das Kinderheim hat eben diese Möglichkeit, vielen Kindern eine sichere Kindheit mit einer guten schulischen Ausbildung zu geben.

Neue Fußballtrikots für kleine Kicker

Verteilaktion 10Seit meiner Abreise 2011 ist vieles verändert worden. Es gibt viele Angebote, um die Kinder und Jugendlichen in ihren Interessen zu stärken und aus ihnen heranwachsende Individuen mit verschiedenen Zukunftsvorstellungen zu machen. Es gibt Sportangebote wie Fußballtraining, das von einem ehemaligen bolivianischen Nationalspieler angeboten wird. (Wir haben die Trikots und Fußballschuhe dazu „geliefert“ – große Freude!!) Außerdem finden an den Wochenenden verschiedene Aktionen von Pfadfindern statt, an denen die Kinder und Jugendlichen teilnehmen.

Auch mein Projekt hat sich über die Jahre im Kinderheim etabliert und ist kaum wegzudenken. Seit 2010 schicken meine Familie und ich gut erhaltene Kleiderspenden und Schuhe in das Kinderheim. Da viele Eltern dort nicht die ausreichenden finanziellen Mittel haben und die lokalen Angebote an Kleidung qualitative Mängel haben, ist uns die Idee gekommen, das Kinderheim mit den Sachspenden zu unterstützen. In fünf Jahren sind zwei Tonnen Kleidung und Schuhe nach Bolivien geschickt worden und es geht immer weiter. Über die Jahre hat sich ein großer Spendenkreis durch die Kooperation mit den Grundschulen Hallenberg und Medebach, sowie vielen Privatspendern aufgebaut.

Löcher in der Hose? – Kein Problem für Maria Eugenia

NähmaschineMaria Eugenia unterstützt die KinderNähzimmerUm die Nachhaltigkeit unserer Kleideraktion zu gewährleisten, bezahlen wir eine Näherin für das Kinderheim. Sobald die Kinder ein Loch in der Hose haben, soll es repariert werden und nicht noch weiter aufreißen. Direkt nach meiner Ankunft wollte ich die Näherin Maria Eugenia kennenlernen. Sie arbeitet seit zwei Jahren im Kinderheim und hat ihre Vorgängerin Dora abgelöst. Dora war die erste Näherin, die wir für diesen Job gesucht hatten. Beide haben in einem von Deutschland finanzierten Verein (CEO) gelernt, der jungen Müttern die Chance gibt, eine Ausbildung zu absolvieren. Das Kinderheim bietet jetzt Maria Eugenia eine sichere Arbeitsstelle. So unterstützen wir indirekt die Arbeit von CEO.

Ich bin begeistert, wie umfangreich die Arbeit der Näherin geworden ist. In einem eigens dafür hergerichteten Nähzimmer können die Kinder und Jugendlichen das Nähen erlernen. Jeden Tag ist eine andere Gruppe von Kindern oder Jugendlichen bei Maria Eugenia. Zunächst fängt man ganz simpel mit dem Basteln und Nähen von Armbändern und Schlüsselanhängern an. So steigern sich die Aufgaben und werden anspruchsvoller. Wenn Maria Eugenia sich sicher ist, dass die Kinder eine gewisse Kenntnis der Materie besitzen, dann bekommen sie Unterricht im Bedienen der Nähmaschinen. Die alten Maschinen sind etwas schwieriger zu handhaben als die bekannten Maschinen in Deutschland, doch die Kinder kommen damit klar. Selbst das Aufmachen und Putzen der Maschinen ist ihnen nicht fremd.

Maria Eugenia NähzimmerMaria Eugenia möchte, dass die Kinder selbst lernen, wie sie ihre kaputte Kleidung wieder reparieren können, damit sie auch später im Leben alleine damit zurechtkommen. Sollte ein Kind oder ein Jugendlicher eine Frage haben, so ist sie stets helfend zur Seite. Ich bin besonders erstaunt darüber, wie viele Jugendliche ein Talent für das Schneidern haben. Einige verbringen täglich Zeit in der Nähstube, um an ihren Hosen oder Oberteilen zu „basteln“. Es werden viele verschiedene Produkte hergestellt. Dazu gehören unter anderem Haarreifen, Kochschürzen, Mützen, Hausschuhe und vieles mehr. Diese Kleinigkeiten werden an besonderen Tagen auf dem Markt oder an Besuchertagen im Kinderheim selbst verkauft. Der Erlös geht an die Nähstube selbst. Dieser wird für neues Material gebraucht, sei es für Stoff, Reißverschlüsse oder Schaufensterpuppen zum Herstellen von eigener Kleidung. Ich habe auch angefangen, meine ersten Armbänder zu fertigen.

Kinderheim leistet hervorragende Arbeit

Besonders in den letzten Monaten ist die Aufmerksamkeit der lokalen Medien für das „Cristo Rey“ gewachsen. Die Arbeit, die im Kinderheim geleistet wird, begeistert viele Menschen vor Ort. Auch die Arbeit der Näherin ist etwas ganz Besonderes und wird von vielen Tageszeitungen freudig erwähnt. Deshalb ist die Arbeit von Maria Eugenia so unverzichtbar für das Kinderheim geworden und kann hoffentlich auch in Zukunft durch Spenden aus Deutschland gesichert werden.

Gemeinsam mit den aktuellen Freiwilligen vor Ort habe ich eine Verteilaktion organisiert und durchgeführt. Dabei habe ich – wie schon während meines Freiwilligendienstes – in glückliche und dankbare Augen der Kinder und Jugendlichen geschaut. Die Freude war sehr groß. Allein dieses Jahr sind bereits 16 Pakete nach Bolivien geschickt worden, um den Bedarf an Winterkleidung im Heim zu decken. Denn es ist jetzt im Juli sehr kalt geworden in den bolivianischen Anden. Die Hauptstadt La Paz meldet Schneefälle, die auch in den höheren Bergregionen in Cochabamba zu sehen sind. Nachts fallen in einigen Gebieten die Temperaturen unter null Grad. Zum Glück sind alle Pakete rechtzeitig im Kinderheim angekommen und konnten verteilt werden, damit kein Kind frieren muss.

Ein besonderer Dank gilt der Organisation „Escuela Cuidadas – sorgenfreies Lernen in Bolivien“, die uns bei der Finanzierung von Maria Eugenia unterstützt. Koordinatorin Maike Becker steht ebenfalls in regelmäßigem Kontakt zum Kinderheim „Cristo Rey“. Mehr auf http://www.escuelas-cuidadas.de/

CategoryCristo Rey
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