Die Not ist groß: Schwester Gjyste kauft Lebensmittel für die Menschen im Fermentim.

Als im März die ersten Fälle von Covid-19 in Albanien bekannt wurden, wurde auch dort das öffentliche Leben erheblich eingeschränkt. Bildungseinrichtungen wurden geschlossen. Bars, Kaffees, Restaurants blieben zu. Lediglich an einigen Stunden am Tag durften die Menschen ihre Häuser verlassen, um Lebensmittel oder Arzneimittel zu kaufen, ansonsten herrschte eine Ausgangssperre. Alle Grenzen wurden geschlossen, sowohl an Land als auch über den Seeweg. Dieses entschlossene Vorgehen der Regierung verhinderte bisher Schlimmeres. Die Zahl der Corona-Infizierten in Albanien ist bisher vergleichsweise gering und es gibt wenig Tote. Zumindest, wenn man den offiziellen Zahlen glaubt.

Im nordalbanischen Shkoder befindet sich das Gemeindezentrum von Schwester Rita und ihren Mitschwestern Loredana und Gjyste. Im alten Gewerbegebiet im Stadtteil Fermentim stehen ausgediente, baufällige Fabrikgebäude – mittendrin die Kirche und das Ordenshaus der drei Schwestern. Viele Menschen aus den umliegenden Bergregionen suchen hier Zuflucht. Die Gegend ist besonders stark von Armut geprägt. Viele Menschen haben keine Arbeit und sind nicht an das Gesundheitssystem angebunden. Es fehlt an allem Nötigen, besonders an Lebensmitteln.

Auch wenn die Infektionszahlen in Albanien zwar vergleichsweise gering sind, trifft die Krise besonders auch die Menschen in Fermentim. Die hygienischen Zustände sind prekär. In vielen besetzten Fabrikgebäuden leben mehrere Familien auf engstem Raum miteinander. Das albanische Gesundheitssystem ist mangelhaft. Wer beispielsweise mit Fieber ins Krankenhaus kommt, muss das Thermometer selbst mitbringen – auch schon in der Zeit vor Corona. Vielen Menschen fehlt es an den finanziellen Mitteln. Dadurch sind sie vom Gesundheitssystem ausgeschlossen.

Die Building-ONE-World-Mitglieder Julian und Helga Mönxelhaus waren vor Ort im Gemeindezentrum der Schwestern. Seither wird mithilfe des sauerländischen Vereins eine Krankenstation vor Ort aufgebaut. Gespendete medizinische Hilfsmittel wurden bereits nach Albanien geschickt. Eine Kooperation mit einem italienischen Arzt, welcher monatlich vor Ort sein wird, soll aufgebaut werden. So kann gewährleistet werden, dass den Menschen aus Fermentim grundlegende medizinische Hilfe zuteilwird.

BOW sammelt weiterhin Spenden, um Medikamente und weitere medizinische Hilfsmittel finanzieren zu können. Aufgrund der aktuellen Situation wurden Spendengelder auch für Lebensmittel genutzt, die von den Schwestern vor Ort gekauft und an die bedürftigen Menschen von Fermentim ausgegeben werden. „Das größte Problem ist die Armut. Die meisten Menschen hier sind ohne Arbeit. Wir geben weiterhin täglich Essen an die Menschen aus. Außerdem benötigen einige Menschen dringende psychologische Hilfe. Wir beten, dass die Situation bald vorbei sein wird“, erzählt Schwester Rita. Ein weiterer Besuch vor Ort von Familie Mönxelhaus ist geplant, um Schwester Rita, dem Gemeindehaus und vor allem den Menschen in Fermentim die notwendige Unterstützung aus dem Sauerland weiter zukommen zu lassen.

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